3 Fragen an Peter Ippolito

December 15, 2015

 

 

 

WARUM SIND INNENARCHITEKTEN WICHTIG?

 

Gegenfrage: sind Innenarchitekten wirklich wichtig? Wir bei Ippolito Fleitz würden sagen: Nein! Viel, viel wichtiger sind die Menschen, die in unseren Räumen einen Moment ihres Lebens verbringen. Innenarchitekten sind keine Zauberer, die auf der Bühne ihre Tricks vorführen und auf Applaus warten, keine Stars im Rampenlicht. Unsere Stars sind die Menschen, die unsere Räume zu ihren eigenen machen, die Menschen, die in unseren Räumen lieben und lachen, sich wundern und sich wohl fühlen. Innenarchitektur ist die Bühne für das Leben. Das wichtigste an der Innenarchitektur bist DU.

 

 

WAS ERWARTEN SIE BEIM INPULS KICK OFF VON DEN TALENTEN?

 

Mut zum Querdenken und Träumen. Optimismus, Leidenschaft, Kreativität. Und natürlich einen Schuss Verrücktheit.

 

 

WAS UNTERSCHEIDET IHR BÜRO MAßGEBLICH VON ANDEREN?

 

Ein interdisziplinäres, kreatives und internationales Umfeld, in dem einen das Unerwartete immer wieder begegnet: in spannenden Projekten, ungewöhnlichen Ideen, großartigen Herausforderungen. Langeweile ist bei uns ein Fremdwort. Wir arbeiten hart, aber wir haben immer Spaß dabei.

 

 

 

PETER IPPOLITO // IPPOLITO FLEITZ

 

Peter Ippolito studierte Architektur in Stuttgart und Chicago. Während dieser Zeit war er als Assistent von Prof. Ben Nicholson (Chicago) tätig und sammelte praktische Erfahrungen im Studio Daniel Libeskind (Berlin). 2002 gründete er gemeinsam mit Gunter Fleitz die Ippolito Fleitz Group. International bekannt wurde das multidisziplinäre Designstudio mit Innenarchitektur- Kommunikations- und Produktdesignprojekte. Viele der Arbeiten wurden mit namhaften Preisen ausgezeichnet, darunter mehrere iF Gold, red dot und ADC Awards. Neben seiner gestalterischen Arbeit war Peter Ippolito mehrfach in der Lehre tätig und wird gern als Referent oder als Mitglied von Wettbewerbsjurys angefragt. Peter Ippolito ist Mitglied im Deutschen Designer Club.

 

 

AKTUELL

 

Ziel unserer Gestaltung ist es, das GERBER als Ort und Adresse in der Stadt zu positionieren. Mit seinen Wegachsen überwindet es die Geländetopografie und verbindet die Innenstadt mit den angrenzenden Quartieren. Das GERBER ist dabei mehr städtische Flaniermeile und weniger Mall. Durch den wertigen Anspruch in der Gestaltung will es langfristig bestehen und trotzdem ein niedrigschwelliger Ort für alle ohne Luxusattitüde sein. Neben der hohen Aufenthaltsqualität sind eine leichte Orientierung und Raumelemente mit hohem Erinnerungswert seine Markenzeichen.

 

 

 

Am südwestlichen Ende der Stuttgarter Innenstadt besitzt die Württembergische Lebensversicherung AG ein 14000 m² großes Grundstück. Der ehemalige Firmensitz wurde 2011 abgerissen und durch einen ambitionierten Neubau ersetzt, der Handel, Büro und Wohnen vereint. Den Wettbewerb für den Baukörper und die äußere Gestaltung gewann das Architekturbüro Bernd Albers Berlin, während wir mit der Innenarchitektur der öffentlichen Bereiche und der Entwicklung des Leit- und Orientierungssystems beauftragt wurden.

 

Der Zugang zu den öffentlichen Bereichen der Mall erfolgt über Eingänge an drei der vier Gebäudeecken. Durch ihre Lage an den Kreuzungen werden die Besucherströme aus den jeweiligen Straßen aufgenommen und in das Gebäude geleitet. Während die beiden Zugänge an der Tübinger Straße auf Erdgeschossniveau liegen, betritt man das GERBER von der Marienstraße aus eine Ebene höher. Aufgrund des Höhenunterschieds, aber auch durch den nichtlinearen Verlauf der Hauptwege innerhalb der Mall ist eine klare, präzise Besucherführung erforderlich.

 

In den Eingangsbereichen werden die Leitthemen der Innenarchitektur eingeführt. Eines der identitätsstiftenden Elemente sind die Lichtringe, die mit ihrer Form das Logo des GERBER – ein „g“, das aus zwei Kreisen gebildet wird – aufgreifen. Ihre Anordnung reagiert auf die jeweilige Eingangssituation. Den schmalen steilen Zugang in der östlichen Ecke begleiten die Ringe als ineinander verschlungene lineare Kette, während sie über dem großzügigen Nordeingang förmlich in die Breite explodieren. Am dritten, nur eingeschossigen Zugang adaptieren geschwungene Lichtlinien, die in die Decke eingelassen sind, das Thema und zeichnen gleichzeitig den sich hier aufgabelnden Weg nach. Durch das Ringthema gelingt eine individuelle Adressbildung für jeden Eingang. Im Zentrum der Mall finden die Lichtringe dann zu ihrem Höhepunkt. Hier umschlingen sie in freier Ordnung eine Säule und wachsen einem Lichtbaum gleich durch alle drei Geschosse der Mall.

 

Durch die eingeschnittenen Lufträume entstehen Sichtbeziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen der Mall. Abgerundete Decken und Brüstungen geben dem Raum eine fließende Erscheinung und betonen die Vertikale. Die gläsernen Geländer verschlanken die Deckenschichten zusätzlich, geben den Blick frei auf die Shopfassaden in anderen Geschossen und wecken die Neugierde, den Bummel dort fortzusetzen. Die monochrome Farbgebung der öffentlichen Bereiche verleiht diesen Eleganz. Gleichzeitig wird durch den Verzicht auf Farbe der visuelle Wettbewerb mit den Shopfassaden vermieden.

 

Die fließende Bewegung findet in den Rundungen der Fassadenkanten ihre Fortsetzung. Für die Gestaltung der Shopfassaden wurde ein Mieterhandbuch für die Fassadengestaltung entwickelt, dessen Vorgaben ein einheitliches Bild des Innenraums gewährleisten. Die Raumatmosphäre und die wertigen Materialien, die in der Fassaden zum Einsatz kommen, unterstreichen den Anspruch einer Mall im gehobenen Segment. Die Shopfassaden werden zusätzlich durch eine durchlaufende warm-dunkelgraue Fassadenblende homogenisiert. Ihr horizontaler Verlauf zeichnet die äußeren Grenzen der öffentlichen Bereiche nach und dient als Mittel zur Orientierung. Unterstützung erfährt sie dabei durch in die Decke eingelassene schwarze Lichtkanäle und die dunklen Holzhandläufe, die die Raumöffnungen markieren. Das Spiel der schwarzen Linien komplettiert ein dunkler Streifen in den unterleuchteten Rolltreppen. Das Rolltreppe ist als markantes Lichtobjekt zugleich ein wichtiger Orientierungspunkt in der Horizontalen.

 

Der Boden ist in sämtlichen öffentlichen Bereichen in Feinsteinzeug ausgeführt, selbst in den Zuwegen zu den Toiletten oder in den Vorräumen der Aufzüge und Aufgänge. Die hexagonale Form der Fliesen ist ein Zitat auf das Pflaster im städtischen Raum, welcher sich dadurch im Inneren der Mall fortsetzt. Die Form betont keine Laufrichtung, sondern ist eine Einladung zum Flanieren und zum Sich-treiben-lassen und markiert trotzdem deutlich die Laufwege. Das Verschmelzen zwischen Stadt und Innenraum steht auch für den Anspruch des GERBER, nicht nur Shoppingmall, sondern ein Fixpunkt im städtischen Leben sein zu wollen. Die Form der Bodenfliesen wird außerdem in der Deckengestaltung aufgegriffen, wo sie gekippt und versetzt als Relief Akzente setzen.

 

Mit dem GERBER entsteht eine neue Flaniermeile als prominente Adresse für das moderne Einkaufserlebnis. Fließende Bewegungen leiten den Kunden in die Tiefe der abknickenden Mall und erzeugen eine leichte Atmosphäre mit weichen Übergängen und großzügigen Blickbeziehungen zwischen den drei Verkaufsebenen. Mit der Gestaltung des Innenraumes holen wir die Stadt in das Center hinein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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